Ein Segelschiff für zwischendurch

10. Oktober früher Nachmittag auf der Ostsee zwischen Sonderburg und Eckernförde: Temperaturen um 10 Grad, westlicher Wind um 6 Windstärken, Böen 7. Durchzug einer Kaltfront mit etwa einer Stunde heftigem Niederschlag. Die Gruppe hat sich unter Deck verzogen, zu viert halten wir gut eingepackt und mit Tee und Kaffee versorgt Wache. Dann reißt der Himmel auf. Vor uns noch tiefschwarz, hinter uns strahlend blau mit einem Regenbogen. Und klar ist: Das war es wert, Regen, Kälte und starkem Wind zu trotzen.

Und klar ist außerdem: Dieses Gefühl jungen Menschen zu vermitteln. ist eine Freude für alle Beteiligten. Ohne Treibstoff zu verbrauchen und CO2 zu emittieren zu reisen, historisches Handwerk aufleben zu lassen. Diese Fertigkeiten sind es wert, erhalten und gepflegt zu werden.

Wieder habe ich eine tolle Woche auf der Zuversicht, der alten Dame aus Nyborg verbracht, einem über 100 Jahre alten Marstal-Schoner. Mehr davon lest ihr bald auf der Webseite unseres Projekts im Bericht einer Teilnehmerin.

Unwetter

Ein paar Eindrücke eines anderen Tages auf Zingst. Im Laufe des Abends zog eine beachtliche Schauerlinie über uns hinweg.

Schon auf den Bildern am Nachmittag ist die Labilität der Luftschichtung gut zu erkennen: die vertikale Struktur und Ausdehnung der Wolken deutet auf aufsteigende Luftmassen hin. Am frühen Abend kippt diese Lage dann: die Energie der Aufwärtsbewegung formt eine „Schauerlinie“ oder „Wallcloud“. Für so eine große Struktur aus Schauer bzw. Gewitterwolken ist eine ausreichende Labilität in der Schichtung nötig, also warme Luft, die unter Kälterer liegt und aufsteigen will, sowie die richtigen Windverhältnisse, insbesondere eine kräftige Windscherung, d.h. Windrichtungs bzw. Geschwindigkeitsdifferenz in verschiedenen Höhen innerhalb der Wolke. Nur durch Scherung werden der Aufwind und der Abwind durch die fallenden Tropfen stark genug räumlich getrennt, um solche Strukturen zu formen, die für extreme Unwetter sorgen können. In unserem Fall blieb es bei etwas Regen.

Unser Messplatz diente verschiedenen Messreihen: Die Grenzschicht der Atmosphäre, also der unterste Teil der Troposphäre, ist geprägt durch Reibung und Energieaustausch mit dem Boden. Diese Effekte zu messen war Ziel des Mess-Praktikums. So hat beispielsweise der große Windmast eine vertikale Veränderung der Windgeschwindigkeit ermittelt. Der Wind nimmt nämlich in Bodennähe drastisch ab. Mit einer zweiten Windmessung mit Hilfe von Ultraschall wurde die Turbulenz des Windes vermessen. Auch Sonnen-Einstrahlung und Wärmeabstrahlung des Bodens wurden ermittelt.

Unwetter

Lange hat man nichts von mir gehört. Mea culpa.

Doch ein paar neue Bilder sind in den letzten Wochen doch entstanden. Bevor ich euch demnächst mitnehme nach Berlin, habe ich hier ein paar Unwetter-Bilder aus dem Juni.

Die Bilder kommen von zwei Abenden im Juni. Ihr erinnert euch sicher, dass es einige Tage lang sehr starke Gewitter gab. Ich habe dazu mal eine Wetterkarte des betreffenden Tages mitgebracht:


Die weißen Linien auf der Karte zeigen die Verteilung des Luftdrucks am Boden, die schwarzen die in etwa 5km Höhe. Mit den Farben wird die Temperatur der Luftmasse gezeigt. was man sehr deutlich sieht, ist das Bodentief über Ostdeutschland. Die Luft in einem Tief zirkuliert gegen den Uhrzeigersinn, ungefähr parallel zu den Isobaren (Linien gleichen Drucks). Die Linien am Boden schneiden das Druckfeld in der Höhe, und auch das Temperaturfeld in der Höhe im Winkel von fast 90°. Wir hatten zu dem Zeitpunkt also eine Starke Advektion (Heranführung) warmer Luft mit dem Ostwind. Darüber lag in der Höhe sehr kalte Luft. Diese Kombination hat die nötige Instabilität verursacht, damit sich Gewitter bilden konnten.

Eine häufige Frage ist bei jedem Extremereignis, ob es Folge des Klimawandels sei. Das einzelne Gewitter nicht. ABER: Diese Wellen in der oberen Troposphäre, im Jetstream, die man in der Karte schön als „Ausbeulung“ der kalten Luft nach Süden sieht, werden durch den Klimawandel stärker und halten sich länger an einem Ort. Wir werden also öfter und länger mit Extremwetterlagen zu tun haben. DIe Hitzewelle der letzten Wochen ist auf die gleichen Wellen zurückzuführen.

Hochdruckwetter

Hoher Luftdruck sorgte in der ersten Wochenhälfte für klares Wetter, infolgedessen wurde es kalt. bis zu -15°C wurden in Leipzig nachts gemessen. Im Winter wird es aber auch am Tage bei klarem Himmel nicht sehr warm, und so reichten wenige Tage, um den See zufrieren zu lassen.

Leider ist dieses Winterwetter genau so schnell wieder vorbei gewesen, als ein neues Tief warme Luft von der Nordsee brachte. Heute morgen kam diese endgültig in Leipzig an.

Wettervorhersage

Da ich im Moment keine hübschen Bilder für euch habe, mal ein kleiner Eindruck meines Studiums: Diese Woche bin ich mit Wetterdienst beschäftigt. mein heutiges Tageserzeugnis ist dieser Bericht gültig für Leipzig:

Wetterbericht für Leipzig:

Datum: 09.01.2019

Wetterlage:

Der Kern des Tiefs „Benjamin“liegt inzwischen über Ostpolen, damit bekommen wir eine zyklonal geprägte Nordlage.Weiterer Bei konstanten Temperaturen um 1°C und geschlossener Wolkendecke ist im Tagesverlauf weiterhin mit Schneefall zu rechnen, der Wind schwächt sich im Laufe des Abends etwas abund gewährt uns bis zum Wochenende eine kleine Verschnaufpause.

Vorhersage für Donnerstag den 10.01.2019:

Im Laufe des Donnerstages gelangt Leipzig zwischenzeitlich unter den Einfluss des Hochs über Großbritannien, in antizyklonaler Nordlage schläft der Schneefall ein und am Nachmittag klart es ggf. auf. Der Wind nimmt weiter ab auf2 Bft., in den Spitzenböen noch 4Bft. aus nördlichen Richtungen. Bei Aufklaren kann es zu Frost bei bis zu -4°C kommen.

Vorhersage für Freitag den 11.01.2019

In den Morgenstunden des Freitags erreicht uns die Warmfront einer eindrucksvollen Zyklone mit Kern über dem Nordkap (Kerndruck wird mit >960 hPa simuliert) und bringt im Laufe des Tages wieder eine geschlossene Wolkendecke, einen geringen Temperaturanstieg und einen Winddreher auf West, mit dem eine Gradientverschärfung einhergeht.Am Nachmittag ist Schneefall zu erwarten.Die Temperaturen liegen zwischen -4°C in der Nacht zu Freitag und 0°C am Abend.

Weitere Aussichten:

Die schwache Warmluftadvektion bringt im Laufe des Wochenendes wieder Temperaturen über dem Gefrierpunkt,womit der Niederschlag erst mal wieder in die flüssige Phase übergeht. Die WLA destabilisiert die bisher durch Absinkbewegung recht stabilen Luftmassen über Europa, wodurch ab Sonntag mit konvektiver Bewölkung und Schauern zu rechnen ist.© LIM, erstellt von Jakob Thoböll

Wohnt hier der Weihnachtsmann?

Etwas komische Beleuchtung habe ich bei uns im Tal entdeckt. Ein Briefkasten steht auch dabei:

Ich glaub, wir haben einen neuen Nachbarn bekommen „Nissen“ sind in Wichtel in Skandinavischen Erzählungen. Eng verwandt beispielsweise mit „Tomte Tummetott“ von Astrid Lindgren oder dem Klabautermann in der deutschen Sagenwelt. Der  „Julenissen“, also Weihnachtswichtel ist das hier übliche Pendant zum Weihnachtsmann.

Wenn man durch die Dunkelheit zur Uni läuft, klingt aber eher die Winterreise von Schubert, als lustige Weihnachtslieder im Ohr. Tiefer Schnee gepaart mit der ein oder anderen Sturmböe, die am Haus rüttelt, und dem einsamen Fußgänger erst die Sicht und dann auch den sicheren Stand raubt, machte die letzten Tage recht ungemütlich und jeden Weg zum Kraftakt. Leider waren meine Versuche, Schneeteufel und andere Verwirbelungen, wie sie entstehen, wenn Sturm und Pulverschnee aufeinandertreffen, abzubilden noch nicht so ganz erfolgreich. Wenn der Wind in nächsten Tagen noch mal zunimmt, versuche ich es noch mal.

 

Gletscher und Stadt

Ein paar Gletscherhöhlen standen für gestern Abend auf dem Programm. Leider hat das Tauwetter der letzten Woche uns einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht: In der Höhle, die unser Hauptziel war, stand knie tief das Eiswasser. Das wollten wir weder uns noch unseren Kameras zumuten.

Also haben wir ein paar Aufnahmen draußen gemacht und auf das Mondlicht gewartet, dass leider ausblieb. In der Dunkelheit haben wir erste Erfahrungen mit dem sog. Whiteout machen müssen, dass einem leicht die Orientierung nehmen kann: Die Landschaft war schneebedeckt -> weiß, die Wolken darüber -> weiß und der leichte Schnee dazwischen war ebenfalls weiß. Sich auf das Umgebungslicht verlassend, was eine Orientierung im Detail sehr erschwert, da es an Kontrasten fehlte. Starke Taschenlampen haben die Situation dann deutlich verbessert. Gefährlich bleibt das dennoch: zwar ist es schwer, sich auf dem „Hausberg“ Sarkophagen und den beiden Gletschern nachhaltig zu verlaufen, doch sind die Höhleneingänge und Schmelzwasser-Kanäle inzwischen größtenteils schneebedeckt. Das Loch im nächsten Bild ist etwa 5m tief. Wenn das unter Schnee verschwindet, kann man auf einer instabilen Schneebrücke dadrüber stehen, ohne dies wirklich zu bemerken. Ein Einbrechen wäre fatal.

Tiefe Spalten durchziehen den Larsbreen

Phototour zwischen Sarkophagen (links) und Guvefjellet.

Doch woher kamen die warmen 5°C vor zehn Tagen, die Regen brachten, Glätte und Schmelzwasser? In Deutschland war ein stabiles Hochdruckwetter. Normalerweise ziehen die Tiefdruckgebiete mit dem Westwind (Jetstream) in der Höhe vom Atlantik nach Europa. Wenn jetzt aber ein kräftiges Hoch über Mitteleuropa liegt, werden diese Tiefs nach Norden abgelenkt. Eine sogenannte „Omegalage“ entsteht, die ein Tief nach dem anderen ablenkt. Während sich ein Tief in Mitteleuropa vor allem durch seine markanten Frontan (insbesondere die Kaltfront) auszeichnet, ist hier oben – bedingt auch durch die Berge – von der Frontenstruktur nicht mehr viel zu erkennen. Was aber bleibt, ist, dass das Tief warme Luft aus südlicheren Gefilden hier her in den Norden bringt.

Der Sarkophagen trohnt über dem Tal und bewacht die Stadt

Auf dem Gipfel des Sarkophagen

Wetter und Space-Wetter

Den Freitag haben wir – größtenteils – bei einer Radarstation oberhalb des Tales verbracht. Eindrücke von da gibts heute:

Sehr schön fand ich die Veränderung der verschiedenen Wolkenschichten über den Tagesgang. Leider waren wir zu spät am Radar, um noch eine Timelapse zu erstellen.

Die tiefhängende Wolkenschicht, fast eher Nebel entsteht, wie ihr sehen könnt, nur über dem Wasser. Sie ist eine Folge der Temperaturdifferenz zwischen Wasser und Luft: Das warme Wasser kann mehr Feuchtigkeit an die Luft abgeben, als diese aufnehmen kann. Daher kondensiert dieses zu viel an Luftfeuchtigkeit als Wolke. Übrigens trotz Temperaturen knapp unter null als Flüssigwasserwolke.

Die höheren Wolken dagegen sind Eiswolken.

Auch wenn ich „höher“ schreibe, sind diese noch zu den niedrigen Wolken zu zählen, da sie sich in Höhen von etwa 1-1,5km befinden. An diesem Bild kann man die Entstehung der Wolken durch sog. Schwerewellen sehr schön nachvollziehen: Die Luft wird beim Anströmen des Berges zum Aufstieg gezwungen und kühlt sich dabei um 1 Kelvin (=1°C) pro 100m ab. Da die absolute Menge Wasser im Luftpaket dabei gleich bleibt, erhöht sich die temperaturabhängige relative Feuchte. Wird dabei die Sättigung überschritten, entsteht durch Kondensation – bzw. Sublimation – eine Wolke. hinter dem Berg sinkt das gleiche Luftpaket aus Stabilitätsgründen wieder ab und erwärmt sich dabei. Nun reicht die Feuchte natürlich nicht mehr, um zu Sättigung zu führen und damit Wolken zu bilden. Manchmal folgen jedoch hinter dem Berg noch mehrere solche Wellen, wie hier auch ganz schwach erkennbar, da das Luftpaket nicht direkt in die stabile Schichtung zurückfindet, sondern ein wenig um diese stabile Position auf und ab schwingt. Daher auch der Name „Schwerewellen“.

Zum Glück zog der Nebel wieder ab, bevor es Nacht wurde, so dass ich euch nach dem normalen Wetter nun noch ein bisschen Sonnenwind zeigen kann: Durch einen Sonnenfleck gab es am Freitag gewaltige Sonnenstürme, die entsprechend intensive und lang anhaltende Polarlichter zur Folge haben:

 

Sonne rund um die Uhr – Longyearbyen II

Zwischen Regen und Wolken hatten wir noch über Tag und Nacht verteilt ein paar Stunden richtig schönen Sonnenschein, die Bilder möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten:

Isfjorden um Mitternacht.

So sieht es aus, wenn man aus meinem Fenster in die Stadt blickt. Die Häuser im Vordergrund sind, wie auch mein Quartier, als Baracken für Minenarbeiter gebaut worden, als Studentenwohnheim sind sie bei heutiger Einrichtung aber auch nicht schlecht.

Longyearbreen

 

Kaltes Gletscherwasser, durch den Regenfall noch angeschwollen.

Diese Aussicht bietet sich auf meinem täglichen Weg zur Uni. Eine halbe Stunde zu Fuß trennt unsere Wohnheime von der Uni und dem „Stadtkern“.