Tromsø im Oktober

Ich möchte euch einladen auf einen kleinen Stadtbummel durchs herbstliche Tromsø. Mit der Altstadt auf einer kleinen Fjordinsel gelegen blinken eigentlich überall zwischen den Häusern Wasserflächen oder schneebedeckte Berge der benachbarten Inseln und Fjorde hervor. So wie in Oslo die Mischung von alten Gebäuden und modernen Straßenzügen die Stadt prägt, ist es in Tromsø der Wechsel zwischen historischen Holzhäusern und dem spröden Charme eines Industriehafens. Eine Mischung, die stellvertretend ist für Tromsø, eine Stadt die als Sprungbrett zum Polarmeer für Polarforschung, Pelzjagd und Fischfang ihre Wurzeln in Handel und Forschung hat. So ist auch das Polarinstitut und die nördlichste Universität in Tromsø angesiedelt.

Zur Universität gehört ein kleiner botanischer Garten, der Arten der Polarregionen und Gebirge aus der ganzen Welt beherrbergt. Außerhalb der Vegtationsperiode empfiehlt sich dann eher ein abendlicher Ausflug auf die umliegenden Berge, um Polarlichter zu bewundern.

Verlassen wir über die Große Brücke nun einmal die INsel Tromsoya mit der Innenstadt und werfen einen Blick auf die Arktische Kathedrale auf der andren Fjordseite.

Und mit einem letzten Bild der arktischen Kathedrale möchte ich mich verabschieden für heute:

Schön, dass ihr mich auf den kleinen Stadtrundgag begleitet habt. Freut euch in Bälde auf Tromsø im März!

Forschergemeinschaft Ny Alesund im Herbst

Nachdem ich 2018 schon ein Semester in der Arktis studiert habe, bot sich diesen Herbst durch eine Messkampagne meines Instituts die Möglichkeit, noch einmal ein paar Wochen auf Svalbard zu verbringen. HIER hab ich euch schon einmal mitgenommen, in das kleine Forscherdorf Ny Alesund. Begleitet mich dieses mal gerne wieder.

Starten wir am ersten Haus, was man zu sehen bekommt: Dem Rezeptionsgebäude. Hier hin fährt der Kleinbus, der einen auf dem Flugfeld von der 14 sitzigen Dornier-Propellermaschine abholt. Hier ist der Mittelpunkt des Dorfes: Zu den drei Mahlzeiten am Tag kommen zu Fuß, per Fahrrad, Pickup oder Radlader die Teammitglieder der Forschungsstationen, Logistiker, Küchencrew und alle andren, die zum Betrieb eines kleinen Dorfes nötig sind, im Speisesaal zusammen. Hier wird abends gefeiert, und auf dem Sofa zusammen gesessen.

Speisesaal, Flughafen Check in, Bar, Chillout lounge, Wäscherei, Vermietung. All das ist dieses Gebäude

Das Dorf besteht im Kern aus der Firma Kings Bay, die aus einer alten Minenfirma hervorgegangen ist, und nun die Logistik für alle Forschungsstationen und das ganze Dorf betreibt, sowie aus den Forschungsstationen verschiedener Länder, die in den historischen Gebäuden des Dorfes untergebracht sind, oder auch ein paar Neubauten errichtet haben.

Links die Svedrup-Station des norwegischen Polarinstitutes, das legendäre blaue Haus in der Mitte ist das Herzstück der Deutsch/französischen AWIPEV Station, die unser Gastgeber war. Rechts hinter der Fahnenstange ist die frühere Krankenbaracke der Minen, die jetzt ein Gästequartier für kurzzeitige Besucher darstellt.

Diese Gemeinschaft von Forschern und Technikern und Logistikern, die sich der Arbeit in der rauen und nicht ungefährlichen Landschaft auf 79° nördlicher Breite verschrieben haben, macht es – gerade in diesen durch Corona etwas anstrengenden Zeiten immer wieder schön, hier her zu kommen: Auch wenn jede und jeder vor Ort eine andre Rolle hat, die Arktis aus andren Augen sieht, die durch Arbeit und Hobbys geprägt sind, teilen alle die Begeisterung für diese Landschaft und die Neugierde, gemeinsam mehr darüber zu lernen. Von Mikrobiologie über Gravimetrie ( Messungen, die mit Schwerkraft zu tun haben) von Ozeanographie bis hin zu Raketen-Kampagnen, bei denen Messgeräte zu den Polarlichtern geschickt werden, habe ich über ganz verschiedene Themen der Wissenschaft ein bisschen was dazu lernen können in diesen Wochen. Durch Gespräche am Tisch, durch Vorträge, in denen Gruppen ihre aktuellen Projekte vorstellen und vieles mehr. Und auch Handwerker, Ingenieure, Köche und andre, die mit anpacken, teilen hier oben die Neugierde und Begeisterung. Und auch von ihren Erfahrungen und Erlebnissen kann ich noch was mitnehmen. Man kommt in eine Gemeinschaft, die in ihrer Internationalität und Weltoffenheit gleichzeitig durch ihre gemeinsame Begeisterung für die Arktis und die Forschung in dieser abgelegenen Lage wieder sehr exklusiv ist und sehr große Schnittmengen und gemeinsame Interessen hat. Forschung funktioniert nur im Team. Und auch über die Grenzen eines Bereiches hinaus funktioniert dieses Team: Das ganze Dorf zieht an einem Strang und bildet eine Gemeinschaft. Eine sehr verrückte Gemeinschaft, in der es nicht unüblich ist, dass 7 erwachsene Männer mit großer Begeisterung einen Heliumballon mit einem Elektroauto spazieren fahren, wie Fieke, die Stationsingenieurin, die für die Beobachtungen und Messungen der AWIPEV-Station verantwortlich ist, wunderbar beobachtet. Und ja, das sind unsre Leute, die sie da porträtiert hat. Schaut mal bei ihr vorbei: www.arcticreporter.com

Was haben wir nun da oben getrieben mit dem großen Ballon? BELUGA war das weithin sichtbare Zeichen, das die verrückten Ballon-Leute aus Deutschland wieder am messen sind: ein großer Helium-Fesselballon, der verschiedene Messgeräte vom Boden bis in eine Höhe von 1500m bringen kann. Hier ists auf der Uniwebseite beschrieben, was wir damit vor haben. Die Arktis spielt eine entscheidende Rolle bei der Erwärmung der Erde. Diese Rolle besser zu verstehen, ist übergeordnetes Ziel unseres Forschungsprojektes und vieler anderer Messreihen zu Land zu Wasser und in der Luft, die damit verknüpft sind.

Forschung in Ny Alesund ist nicht immer einfach. Manche Schwierigkeiten beginnen schon in kleinen Details. Alle Leute im Dorf, die einem entgegen kommen, laufen mit Funkgeräten rum. Kann man die nicht einfach auf dem Handy anrufen? Nein: In Ny Alesund ist zum Schutz der sensiblen Messungen der Frequenzbereich für die Nutzung verboten, in dem Handynetz, WLAN, Bluetooth, Fernsteuerungsautos usw. liegen. Das führt dann zu so spannenden Konstruktionen wie Smartphones am LAN-Kabel ( glücklicherweise gibts dort LANkabel in jedem Raum in ausreichender Menge. ) Das führt aber auch dazu, dass WLAN und Co. bei der Konzeption der Messinstrumente und der Kommunikation mit den Instrumenten in der Luft ausgeschlossen sind. Neben den Wetterbedingungen ist das eine zusätzliche Herausforderung, die einen zum umdenken zwingt, wenn man den Komfort der „Zivilisation“ gewöhnt ist. Zu unserer eigenen Arbeit erzähle ich euch ggf. im Frühjahr noch mehr, seid gespannt.

Zu guter letzt lade ich euch noch auf einen Streifzug durch den historischen Ort ein, der in seinen Bauten von einer Geschichte als Kohleminen-Siedlung und Forschungsbasis erzählt.