Wohnt hier der Weihnachtsmann?

Etwas komische Beleuchtung habe ich bei uns im Tal entdeckt. Ein Briefkasten steht auch dabei:

Ich glaub, wir haben einen neuen Nachbarn bekommen „Nissen“ sind in Wichtel in Skandinavischen Erzählungen. Eng verwandt beispielsweise mit „Tomte Tummetott“ von Astrid Lindgren oder dem Klabautermann in der deutschen Sagenwelt. Der  „Julenissen“, also Weihnachtswichtel ist das hier übliche Pendant zum Weihnachtsmann.

Wenn man durch die Dunkelheit zur Uni läuft, klingt aber eher die Winterreise von Schubert, als lustige Weihnachtslieder im Ohr. Tiefer Schnee gepaart mit der ein oder anderen Sturmböe, die am Haus rüttelt, und dem einsamen Fußgänger erst die Sicht und dann auch den sicheren Stand raubt, machte die letzten Tage recht ungemütlich und jeden Weg zum Kraftakt. Leider waren meine Versuche, Schneeteufel und andere Verwirbelungen, wie sie entstehen, wenn Sturm und Pulverschnee aufeinandertreffen, abzubilden noch nicht so ganz erfolgreich. Wenn der Wind in nächsten Tagen noch mal zunimmt, versuche ich es noch mal.

 

Gletscher und Stadt

Ein paar Gletscherhöhlen standen für gestern Abend auf dem Programm. Leider hat das Tauwetter der letzten Woche uns einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht: In der Höhle, die unser Hauptziel war, stand knie tief das Eiswasser. Das wollten wir weder uns noch unseren Kameras zumuten.

Also haben wir ein paar Aufnahmen draußen gemacht und auf das Mondlicht gewartet, dass leider ausblieb. In der Dunkelheit haben wir erste Erfahrungen mit dem sog. Whiteout machen müssen, dass einem leicht die Orientierung nehmen kann: Die Landschaft war schneebedeckt -> weiß, die Wolken darüber -> weiß und der leichte Schnee dazwischen war ebenfalls weiß. Sich auf das Umgebungslicht verlassend, was eine Orientierung im Detail sehr erschwert, da es an Kontrasten fehlte. Starke Taschenlampen haben die Situation dann deutlich verbessert. Gefährlich bleibt das dennoch: zwar ist es schwer, sich auf dem „Hausberg“ Sarkophagen und den beiden Gletschern nachhaltig zu verlaufen, doch sind die Höhleneingänge und Schmelzwasser-Kanäle inzwischen größtenteils schneebedeckt. Das Loch im nächsten Bild ist etwa 5m tief. Wenn das unter Schnee verschwindet, kann man auf einer instabilen Schneebrücke dadrüber stehen, ohne dies wirklich zu bemerken. Ein Einbrechen wäre fatal.

Tiefe Spalten durchziehen den Larsbreen
Phototour zwischen Sarkophagen (links) und Guvefjellet.

Doch woher kamen die warmen 5°C vor zehn Tagen, die Regen brachten, Glätte und Schmelzwasser? In Deutschland war ein stabiles Hochdruckwetter. Normalerweise ziehen die Tiefdruckgebiete mit dem Westwind (Jetstream) in der Höhe vom Atlantik nach Europa. Wenn jetzt aber ein kräftiges Hoch über Mitteleuropa liegt, werden diese Tiefs nach Norden abgelenkt. Eine sogenannte „Omegalage“ entsteht, die ein Tief nach dem anderen ablenkt. Während sich ein Tief in Mitteleuropa vor allem durch seine markanten Frontan (insbesondere die Kaltfront) auszeichnet, ist hier oben – bedingt auch durch die Berge – von der Frontenstruktur nicht mehr viel zu erkennen. Was aber bleibt, ist, dass das Tief warme Luft aus südlicheren Gefilden hier her in den Norden bringt.

Der Sarkophagen trohnt über dem Tal und bewacht die Stadt
Auf dem Gipfel des Sarkophagen

Mond(licht)landschaft

Bald ist Vollmond, und dieser wird erst in einer Woche wieder untergehen. Dazu wirkt er noch besonders groß.

Eine traumhafte Lichtquelle für Landschaftsaufnahmen, zugleich verhasstes „noise“ in Aurora- und Sternenbildern oder -forschungen.

Nächtliche Straße

 

Nordenskjöllfjellet

Mein Zuhause im Mondlicht

Ein etwas anderer Eindruck dieser Landschaft entstand letzte Woche:

Mit einem Kommilitonen brach ich auf zum Longyearpasset, dem oberen Ende des Gletschers, der sich auf dem ersten Bild im Schatten befindet. Wir hofften, am Pass bessere Bedingungen für nächtliche Photos zu finden. Als die Wolken aber nicht aufrissen, kehrten wir um. Hier sieht man sehr schön die Lichtverschmutzung, die diese kleine Stadt bereits verursacht.

Man muss aber dazusagen: Da liegen ungefähr vier Blendenstufen zwischen. Die Bilder der Wolken haben also nur 1/16 der Lichtmenge, die im Mondlicht aufgefangen wurde.

zwei Marschstunden von der Stadt entfernt.

Aurora-Observatorium

Einen Ausflug mit der Uni will ich euch heut zeigen.

Ziel war das „Kjell Henriksen Observatory„. Ein Observatorium, das Platz für diverse passive Messungen im Wellenlängenbereich des sichtbaren Lichts bietet.

Blick aus einer der Kuppeln auf die 10km entfernte Stadt und das EISCAT-Radar.

dunkel gestrichene Räume mit Glaskuppeln beherbergen je ein Instrument. Im Weitesten Sinne sind die meisten Instrumente Kameras: In verschiedenster Weise messen sie Lichtintensität, meist nach Wellenlängen unterschieden. Instrumente die es möglich machen, eintreffendes Licht nach Farben aufzufächern und zu analysieren nennt man Spektrometer. Davon sind hier unter den Kuppeln einige zu finden. Auch ganz normale Kameras, wie diese hier, die mich stets mit dem aktuellen Stand der Aurora versorgt, noch ehe mit bloßem Auge und in der Stadt irgendwas wahrnehmbar ist.

Mit Kamera und Stativ in der Hand habe ich mich dann in dem einen Glasdom, der kein Instrument beherbergt, im stockdunkeln auf die wacklige Leiter gewagt und die Kamera in Position gebracht. Das Ergebnis seht ihr hier. Trotz großer Entfernung und Abschattung durch die Berge, stört die Stadt nach wie vor die Messungen.

Aurora über dem KHO

Trotz dicker Wolken haben wir dann letztendlich doch noch etwas Aurora zu sehen bekommen. Auf dem Heimweg dann sogar mit bloßem Auge sichtbar:

Auf dem Heimweg

Was wir genau messen wollten? Ach ja: Zwischen Aurora und Wolken kaum sichtbar ging es um das Phänomen „Airglow“ Floureszenz angereregter Atome in etwa 80km Höhe. Aus deren Leuchtintensität kann man z.B. die Temperatur in der Höhe ableiten. Dieses Phänomen tritt übrigens stetig und überall auf der Erde auf. Ohne Wolken und mit sehr geringer Lichtverschmutzung kann man es mit sehr viel Glück sogar mit bloßem Auge wahrnehmen.

Polarlichter und Wolken

Erst mal ein kleiner Eindruck von vorgestern:

Aurora hinter dünnen Stratuswolken

Ich war ganz alleine am Photographieren, da man mit bloßem Auge kaum etwas gesehen hat, wenn man nicht wusste, dass da was ist. Diese Aufnahme entstand dann mit ISO 1600, F4 und 60s Belichtungszeit.

 

Gestern war es dann um so heller, und ich habe mich für euch ein Stündchen in die Kälte gestellt:

Ich kann euch leider noch keine perfekte EMpfehlung geben, wie man Polarlichter am besten ablichtet. Meine Taktik besteht bislang stets in einigen Probeschüssen mit höchster ISO und offener Blende, um danach die Zeit runterzurechnen auf „Arbeitsmaße“. Was ich aber gelernt habe, ist, der Nachbearbeitung mehr zuzutrauen. Die Bilder sahen auf dem Kamerabildschirm lange nicht so gut aus, wie hier. Lieber n ticken unterbelichten statt zu starkes Rauschen zu riskieren. Das geht am Rechner alles wieder raus zu holen.

 

 

Zum Abschluss möchte ich euch noch eine Timelapse zeigen, die mein Kommilitone Frank aufgenommen hat, stattet seiner Flickr-Steite am besten gleich mal nen Besuch ab!

Public performance of Aurora Borealis in Nybyens backyard

 

Ny Alesund zwei: Eisberge

Ich habe völlig vergessen, euch noch die Eisberge aus Ny Alesund zu zeigen:

Der alte Zeppelinmast

 

 

Von Gletschern abgebrochen, treiben Eisberge jeder Größe im Fjord. Durch hohe Tide und Sturm werden sie gelegentlich auf den Strand geschwemmt. Ein Gtück für uns Photographen.

Folglich sind diese Blöcke sämtlich aus Süßwasser.

Abschied von Ny Alesund

„Blutigrot der Abend fällt, Nordlicht schimmert von fern…“

„… Wie wird uns dann der Schlaf erhellt, Nordland von deinem Stern“

Ich habe mir mal wieder ein wenig die Finger abgefroren für euch:

 

In Finnland geht die Sage, ein Polarfuchs mit brennendem Schwanz würde nachts über den Himmel huschen und die Polarlichter erschaffen.

Zum Schluss zeige ich euch noch unser Studentenwohnheim:

 

Mein Zuhause: Eine alte Baracke für Kohlekumpel.

Letztes Sonnenlicht

Bevor die Polarnacht anbricht, mussten wir natürlich noch ein paar Sonnenstrahlen genießen. über tausend meter ist der Nordskjöllfjellet-Rücken hoch. Das sollte das Ziel unserer letzten Wanderung bei Sonne sein:

Morgensonne um viertel nach zehn

bei bestem Sonnenschein brachen wir auf.

Der Rücken, den wir hinaufgingen, war scharf wie eine Klinge. Mit je einem Fuß stand man auf dem nach Osten und dem nach Westen abfallenden Hang.

 

Sturm am Bergrücken

Da der Wind immer mehr zunahm, mussten wir uns leider entscheiden, die Tour zum Gipfel abzubrechen. Insbesondere meine Bergerfahrung und Ausrüstung reichte in dem aufgewirbelten Schnee irgendwann nicht mehr, um sicher auf dem rutschigen Rücken vorwärts zu kommen.

 

und um zwölf siehts immer noch aus wie Sonnenaufgang

Dennoch haben wir die Sonne und die gute Luft auf dem Plateau sehr genossen.

Spuren der Kohleminen
Mein Wohnsitz – im Tale zweier einst mächtiger Gletscher.

 

Wetter und Space-Wetter

Den Freitag haben wir – größtenteils – bei einer Radarstation oberhalb des Tales verbracht. Eindrücke von da gibts heute:

Sehr schön fand ich die Veränderung der verschiedenen Wolkenschichten über den Tagesgang. Leider waren wir zu spät am Radar, um noch eine Timelapse zu erstellen.

Die tiefhängende Wolkenschicht, fast eher Nebel entsteht, wie ihr sehen könnt, nur über dem Wasser. Sie ist eine Folge der Temperaturdifferenz zwischen Wasser und Luft: Das warme Wasser kann mehr Feuchtigkeit an die Luft abgeben, als diese aufnehmen kann. Daher kondensiert dieses zu viel an Luftfeuchtigkeit als Wolke. Übrigens trotz Temperaturen knapp unter null als Flüssigwasserwolke.

Die höheren Wolken dagegen sind Eiswolken.

Auch wenn ich „höher“ schreibe, sind diese noch zu den niedrigen Wolken zu zählen, da sie sich in Höhen von etwa 1-1,5km befinden. An diesem Bild kann man die Entstehung der Wolken durch sog. Schwerewellen sehr schön nachvollziehen: Die Luft wird beim Anströmen des Berges zum Aufstieg gezwungen und kühlt sich dabei um 1 Kelvin (=1°C) pro 100m ab. Da die absolute Menge Wasser im Luftpaket dabei gleich bleibt, erhöht sich die temperaturabhängige relative Feuchte. Wird dabei die Sättigung überschritten, entsteht durch Kondensation – bzw. Sublimation – eine Wolke. hinter dem Berg sinkt das gleiche Luftpaket aus Stabilitätsgründen wieder ab und erwärmt sich dabei. Nun reicht die Feuchte natürlich nicht mehr, um zu Sättigung zu führen und damit Wolken zu bilden. Manchmal folgen jedoch hinter dem Berg noch mehrere solche Wellen, wie hier auch ganz schwach erkennbar, da das Luftpaket nicht direkt in die stabile Schichtung zurückfindet, sondern ein wenig um diese stabile Position auf und ab schwingt. Daher auch der Name „Schwerewellen“.

Zum Glück zog der Nebel wieder ab, bevor es Nacht wurde, so dass ich euch nach dem normalen Wetter nun noch ein bisschen Sonnenwind zeigen kann: Durch einen Sonnenfleck gab es am Freitag gewaltige Sonnenstürme, die entsprechend intensive und lang anhaltende Polarlichter zur Folge haben: